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24 Mai, 2008

SPIELTRIEB oder rinasce piu gloriosa


es war einmal eine junge dame mit zuviel flausen im hirn.

diese arbeitete vollzeit bei einem nicht weiter genannten fernsehsender. in diesen alten tagen hieß 'vollzeit' allerdings 'nicht voll ausgelastet'. und so schrieb die dame ein konzept zu einem theaterstück, was sie nebenbei mit einer jugendtheatergruppe erarbeiten wollte. soweit, so gut. das konzept wurde angenommen, die junge dame freute sich. dann beschloss ihre firma, sie wirklich vollzeit arbeiten zu lassen und beschenkte sie mit einer verdoppelung der sendezeit ihres fernsehformats. auf einmal musste die junge dame doppelt so viel arbeiten wie vorher. nichtsdestotrotz war sie guter dinge: all diese chancen!

irgendwann, es muss im april gewesen sein, fühlte sich unsere junge mamsell ein wenig krank. vielleicht arbeitete sie doch zuviel? acht bis neun stunden am tag fernsehen, zweimal proben im theater á drei bis vier stunden in der woche. dann kamen die wochenendsproben dazu. die textarbeit, probenvorbereitung, dramaturgischen besprechungen und weitere organisation schienen ihr nach und nach alle freie zeit zu nehmen. das junge ding wurde krank. sie fing an, herpes zu haben. sie bekam einen keuchhusten, der sich sechs wochen hielt. zum ersten mal seit fünf jahren bekam sie hautausschlag. doch immer noch versuchte sie, weiterzumachen: man bedenke doch all diese chancen!

seltsamerweise schien sich ihr immuneinbruch auf ihre theatergruppe zu übertragen. unstimmigkeiten und machtkämpfe waren an der tagesordnung. durch einen dispositionsfehler wurde eine ihrer schauspielerinnen abgeworben, um auf der großen bühne des lebens zu spielen. eine anderes gruppenmitglied war durch die einnahme von harten medikamenten geschwächt, die gegen seinen hautausschlag helfen sollten. wieder eine andere mitspielerin kippte aus überarbeitung zu hause einfach um: gehirnerschütterung. als dann eine dritte schauspielerin sich ein band am fuß anriss und eine vierte von einem auto angefahren wurde, war der fluch komplett. eine gespaltene gruppe von invaliden, geführt von einer regisseurin, die sich die lunge aus dem leib keuchte. und immer noch und immer doch wieder die einsicht: EIGENTLICH war alles gut. eigentlich war die chance immer noch eine großartige.

und so wurde aus damals heute und aus einer idee eine greifbare, wunderbare, absolut geschüttelte berliner theaterproduktion. ein phoenix der sonderklasse. wenn dieser aus der asche steigt - und das wird er bald, weil: wieviel schlimmer kann es jetzt noch werden? - dann in größtem triumph.

mit dem göttlichen klang einer unwirklichen sphärenmusik, kreiert von zwei begnadeten freidenkern und musikern. begleitet im flug von einer tanzchoreographin, die den swing in funkelnden augen trägt. gestreichelt und besungen von einer dramaturgin, deren ausgleichende seele der jungen regisseurin schon häufig den tag gerettet hat. in der organisation des flugplans betreut von einem effizienzgenie, das auch mädchendinner veranstaltet. auf den weg geschickt von sechs schauspielern, die in ihren guten momenten atemberaubend sind. mit feuergirlanden aus worten geschmückt von einem menschen, der da war, als die junge dame nicht mehr weiter wusste. und auf dem feuervogel, dem mythischen wesen, da sitzt dann unsere junge dame, zusammen mit ihrer assistentin. und fliegt.
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14 März, 2008

small thing two: schauspieler


ist eigentlich gar nicht so klein, das ding. heute hatte ich mein erstes infotreffen zu "spieltrieb" auf der probebühne der volksbühne. gottseidank ist der hintereingang von der volksbühne wunderbar hässlich. auch die linienstraße sieht auf dem abschnitt, wo der hintereingang ist, wunderbar hässlich aus. deswegen muss man keinen respekt vor nichts haben, wenn man da reingeht. generell wirkt das graue riesentheater wie ein ort, an dem man theater MACHT und sich nicht von eitelkeiten abhalten lässt.

also mach ich jetzt wieder theater. heute waren viele junge schauspieler beim treffen. viele davon waren am projekt interessiert. an vielen von ihnen bin ich interessiert. am text sind wir alle interessiert und theater finden wir auch alle großartig. was kann da noch schiefgehen? ich sprach heute von sport, einsamkeit, erpressung, zeitlosigkeit und der gleichen gültigkeit von werten oder emotionene. der gleichgültigkeit der dinge.

nach dem treffen, in der holzvertäfelten kantine im erdgeschoss saß dann die legende f.c. am nebentisch. er wurde gefilmt. seine schauspieler sahen aus, wie man sich schauspieler vorstellt: extravagant, schön, verbraucht, kinskiesk. er hielt hofstaat, der meister der verstorbenen avantgarde und eine große tischrunde war ihm untertan. ich saß am nebentisch und amüsierte mich über die geistesschnelle meiner truppe. die alle jung, schön und glücklich aussahen. schnell und heimlich dachte ich über den unwert von popularität nach, trank aus und ging.
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